Zur Geschichte des Franziskanerklosters in Miltenberg

Eine Übersicht

Franziskushaus (ehemaliges Kloster der Franziskaner) im Winter 1999
Franziskushaus (ehemaliges Kloster der Franziskaner) im Winter 1999
1629: Die ersten beiden Patres und ein Laienbruder kommen am 28. Dezember nach Miltenberg und ziehen in das Spital der Stadt Miltenberg; die Spitalkapelle wird somit erste Klosterkapelle. Die Franziskaner erhalten den Vorzug gegenüber den Kapuzinern, die auch eine Niederlassung in Miltenberg gründen wollten und zu dieser Zeit das Kloster Engelberg (Großheubach) besaßen.

1630: Am 4. Januar bilden die Franziskaner den ersten Konvent unter Leitung des geborenen Miltenbergers P. Nikolaus Klüglein (andere Schreibweise: Klugla; als weiterer Pater ist Bruno Winckens benannt). Am 29. November wird diese franziskanische Niederlassung amtlich festgelegt.

1640: Die Miltenberger Fünf-Wunden-Bruderschaft wird als katholische Männerorganisation für Laien gegründe0t (Erzbruderschaft, zurückgehend auf den Heiligen Franz von Assisi); diese Organisation besteht heute noch mit etwa 300 Sodalen (Stand: Januar 2011) und verfügt über einen eigenen Raum im Franziskushaus, dem ehemaligen Kloster. Sie führt die Wallfahrten nach Dettelbach (in der Pestzeit 1631 gelobte Wallfahrt) und Walldürn durch.

1641: Die Mönche beziehen ein Haus am oberen Ende der Ziegelgasse und richten eine Hauskapelle ein mit einem Dachreiter als Glockenturm.

1645: Für den Bau des Klosters und der Kirche werden die Häuser von Hans Schmidt, Bastian Hornig, Paul Storm und Hans Speth erworben sowie die Scheuern von Jost Kauf und Hans Lang.

1660: Die Erlaubnis zum Klosterbau wird erteilt. 3.283 Gulden Baukosten entstehen. Im gleichen Jahr wird die Wallfahrt der Fünf-Wunden-Bruderschaft nach Dettelbach begründet. Diese wird bis 1904 als Fußwallfahrt durchgeführt, dann als gefahrene Wallfahrt und 2004 erneut als Fußwallfahrt (parallel zur Fahrt) ins Leben gerufen.

1662: Die Mönche ziehen in ihr Kloster ein.

1663: Zum Kirchenbau werden das Haus des Häfners Peter Bechthold und zwei weitere Häuser angekauft.

1667: Der Grundstein zur Kirche wird gelegt; sie wird nach den Regeln des Bettelordens ohne Farbe und ohne Stuck ausgestattet. Baumeister ist Antonio Petrini, der auch Stift Haug in Würzburg erbaute.

1679: Die Kirche wird fertig gestellt, der Chorraum kann allerdings erst 1687 gebaut werden, nachdem der Untermüller von Bürgstadt, Hans Valtin Vath, gestorben ist, zuvor sein Haus der Kirche vermachte und durch dessen Abriss Platz geschaffen wird für den Bau des Chores. Valtin Vath und seiner Frau ist noch heute eine Gedenktafel im Chorraum gewidmet.

1680: Der kleine Kirchturm erhält eine Glocke.

1681: Die Orgel mit Emporenbrüstung wird von Adam Öhinger erstellt.

1688: Die Kirche wird konsekriert und unter das Patrozinium der Heiligsten Dreifaltigkeit und der Himmelfahrt Mariens (ab 1843: der Unbefleckten Empfängnis Mariens) gestellt.

1705: Die Innenausstattung der Kirche wird vollendet.

1735: Das Kloster wird um einen Flügel erweitert und vorübergehend als Studienhaus der Ordenskleriker für Philosophie und Theologie genutzt.

1850: Die Klosterbrauerei produziert in diesem Jahr 42.000 Liter Bier. Allerdings wird insgesamt nur 36 Jahre lang Gerstensaft gebraut, da nach einem Kapitelbeschluss in München die Franziskaner mit dem Bierbrauen aufhören. Der Brauereiraum beherbergt daraufhin bis zur Klosterauflösung die Klosterbibliothek.

- Die Reihenfolge der einzelnen Baumaßnahmen wird ersichtlich durch einen Plan aus dem Provinzialarchiv St. Anna, München. -

Erinnerungsbildchen an die Osterbeichte in der Franziskanerkirche Miltenberg in den Jahren 1924 bis 1934

Erinnerungsbildchen an die Osterbeichte in der Franziskanerkirche Miltenberg in den Jahren 1924 bis 1934
Erinnerungsbildchen an die Osterbeichte in der Franziskanerkirche Miltenberg in den Jahren 1924 bis 1934
Erinnerungsbildchen an die Osterbeichte in der Franziskanerkirche Miltenberg in den Jahren 1924 bis 1934
Erinnerungsbildchen an die Osterbeichte in der Franziskanerkirche Miltenberg in den Jahren 1924 bis 1934

 

 

 

 

 

 

 

Pater Petrus Mangold
Pater Petrus Mangold
Von 1922 bis 1931: Pater Petrus Mangold wirkt in Miltenberg, u.a. als Religionslehrer an der Mädchenrealschule der Armen Schulschwestern. Danach wird er als Guardian nach Pfreimd in der Oberpfalz versetzt und 1940 kommissarischer Provinzial der sudetendeutschen Franziskanerprovinz. Am 29. März 1941 wird er verhaftet und nach Dachau verbracht, wo er zum Schluss auf der Plantage arbeiten muss. Der asthmakranke Pater Petrus Mangold stirbt dort am 18. Juli 1942 an Hunger und Entkräftung ("Vernichtung durch Arbeit"). Seine Urne ist im Kloster Pfreimd beigesetzt. 2008 wird ihm an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem Miltenberger Klostergebäude, ein Gedenkstein gesetzt.

1932: Durch die Franziskaner werden in diesen Jahr 20.591 kostenlose Essen an Bedürftige ausgegeben, davon 15.587 an durchreisende Mittellose.

1938: Renovierung der Klosterkirche, die Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommene Ausmalung wird beseitigt, die bisher fünf barocken Altäre werden durch drei ersetzt.

1940 bis 1995: Pater Saturnin Pauleser wirkt in Miltenberg, u.a. als Beichtvater und Krankenhausseelsorger. Während des "3. Reiches" nimmt er sich der seelsorgerischen Betreuung

Pater Saturnin Pauleser
Pater Saturnin Pauleser
der polnischen Zwangsarbeiter an, was selbstverständlich unter Strafe steht; er entgeht allerdings dem KZ.

1953: Eine Außenrenovierung bringt einen neuen Verputz der Gebäude.

1960: Erneut wird die Kirche innen renoviert.

1982: Im November entscheidet sich die Provinzialleitung der bayerischen Franziskaner, das Kloster in Miltenberg aufgrund der Überalterung und des fehlenden Nachwuchses des Ordens aufzulösen.

1983: Die Franziskaner verlassen Miltenberg; als einziger bleibt der letzte Guardian des Klosters und Miltenberger Ehrenbürger, Pater Saturnin Pauleser, hier. In einem sehr gut besuchten Gottesdienst am 18. Juli - dem 41. Todestag von Pater Petrus Mangold - auf dem Engelplatz und einer anschließenden Prozession durch die Stadt - unter Beteiligung des Kirchenchores St. Jakobus, der Stadtkapelle und der Abordnungen der Vereine - nehmen Bürgerinnen und Bürger nach über 350 Jahren Abschied von den Franziskanern. Provinzial Arno Mühlrath betont, dass das Klostergebäude in kirchlichen Händen bleiben wird.

1986: Die Caritas zieht nach einer längeren Umbauphase ins jetzige Franziskushaus, das ehemalige Franziskanerkloster.

1995: Pater Saturnin (Foto unten) erkrankt und zieht um ins Altersheim nach München; 1996 wird der Ehrenbürger der Stadt Miltenberg offiziell verabschiedet und stirbt am 9. Mai 2006.

Die jahrhundertelange Tradition der Mönche in Miltenberg ist damit beendet. Allerdings ist die Übernahme des Klostergebäudes durch die Caritas nicht zufällig: Auf eine andere Art und Weise wird die soziale Tätigkeit, die über die Jahrhunderte auch von den Miltenberger Mönchen geleistet wurde, nun durch die haupt- und ehrenamtlichen Beschäftigten der Caritas fortgeführt. Bestehen bleibt auch die von den Franziskanern gegründete Fünf-Wunden-Bruderschaft, die insbesondere die gelobten Wallfahrten nach Walldürn im Juni und nach Dettelbach im August durchführt.

Wer Informationen zum Kloster bzw. zu den Franziskanern in Miltenberg hat (insbesondere interessieren Angaben zum Dritten Orden, der hier mangels genauer Daten noch nicht erwähnt ist), möchte sich bitte melden unter M-Pechtold@caritas-MIL.de .

Die Klosterkirche in dem Zustand, als die Franziskaner Miltenberg verlassen mussten (Aufnahmen von 1987).

Die Klosterkirche in dem Zustand, als die Franziskaner Miltenberg verlassen mussten (Aufnahmen von 1987).
Die Klosterkirche in dem Zustand, als die Franziskaner Miltenberg verlassen mussten (Aufnahmen von 1987).

Die Klosterkirche in dem Zustand, als die Franziskaner Miltenberg verlassen mussten (Aufnahmen von 1987).


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