Warum werden Menschen wohnungslos?
(aus dem Jahresbericht 1998/1999)
Ausgewertet wurden 149 der beim Caritasverband in Miltenberg vorhandenen Akten, bei denen der Grund der Wohnungslosigkeit angegeben war; zusätzlich wurden 5 Personen, bei denen kein entsprechender Aktenvermerk vorlag (die aber im Zeitraum der Erhebung beim Caritasverband vorsprachen), befragt. Mehrfachnennung war möglich.
Befragte: 154
Nennungen insgesamt: 256
Nennungen, aufgeschlüsselt nach Gründen der Wohnungslosigkeit:
Scheidung/Trennung: 36
Gefängnis/Straffälligkeit: 35
Verlust der Wohnung (Räumung etc.): 26
Psychische Belastung/Krankheit: 23
Verlust der Arbeit: 22
Alkohol-/Drogenprobleme: 19
Probleme/Streit zu Hause: 17
Tod von Angehörigen bzw. Bezugspersonen: 16
Aus- und Übersiedlung: 15
Berufliche Situation (Seefahrt, Montage, Schausteller, Drücker ...): 12
Sonstige Krankheiten: 9
Schulden/Geldmangel: 6
Heimaufenthalt: 5
Flucht bzw. Angst vor Gewalt: 4
Fremdenlegion: 4
Auslandsaufenthalt: 3
Zur Prostitution gezwungen: 1
Weigerung der Gemeinde, Notunterkunft zu gewähren: 1
Eigene Gewaltanwendung: 1
Untreue der Ehefrau: 1
Kommentierung: Für Beschäftigte in der Beratung für durchreisende Wohnungslose kommt es nicht überraschend, dass Trennung/Scheidung der meist genannte Grund für die Wohnungslosigkeit ist (36 Nennungen). Nach der Trennung bzw. Scheidung muss schließlich ein Partner die Wohnung verlassen; zudem entziehen sich sicherlich viele auch den psychischen Belastungen der Trennung und den finanziellen Anforderungen (Unterhalt), indem sie im wahrsten Sinne des Wortes davon laufen. Der Punkt Gefängnis/Straffälligkeit (35 Nennungen) als Grund der Wohnungslosigkeit wird dagegen auch Außenstehende kaum überraschen: Während des Knastaufenthalts ist die Wohnung sehr oft nicht zu halten. Nur 26 Mal wurde Verlust der Wohnung (Räumungsklage etc.) genannt; und noch vor dem Verlust der Arbeit (22 Nennungen) rangiert der Punkt Psychische Belastung/Krankheit (23 N.), d.h. bei rd. 15 % der Befragten wurde psychische Belastung/Krankheit selbst genannt oder ergab sich als Grund der Wohnungslosigkeit im Gespräch mit den MitarbeiterInnen der Caritas. Dies umreißt das Problem psychisch Kranker auf der Straße allerdings nur unzureichend, nimmt doch die Zahl der Wohnungslosen mit erkennbaren psychischen Erkrankungen stetig zu, wie nicht nur die tägliche Praxis unseres Verbandes beweist. Hier liegt die wohl größte Herausforderung für die Zukunft in der Hilfe und Beratung für durchreisende Wohnungslose.