Erfreuliche Entwicklung:

Wohnungslose bleiben länger in Miltenberg

Wenn wir uns die Statistik betrachten, so fällt auf, dass die bei uns durchreisenden Wohnungslosen im Durchschnitt immer länger in Miltenberg verweilen. Im Jahr 1986 (hier ist der Wert erstmals statistisch erfasst) hielt sich ein Durchreisender gerade einmal für 2,1 Auszahlungen (also Anwesenheitstage) bei uns auf. 1989 hatte sich dieser Wert mehr als verdoppelt und seit 1997 sind es regelmäßig mehr als 10 Tage, die ein Wohnsitzloser durchschnittlich pro Jahr in Miltenberg verweilt. Ein neuer Höhepunkt wurde 2010 mit gut 30 durchschnittlichen Anwesenheitstagen erreicht. Dabei ist allerdings anzumerken, dass ein Durchreisender diesen Aufenthalt selten am Stück wahrnimmt, sondern meist über das Jahr verteilt. Auch muss festgestellt werden, dass nach wie vor Einzelne nur wenige Tage kommen, andere aber für Wochen oder manchmal Monate bei uns verweilen.

Mit der Gesamtzahl der durchreisenden Personen oder der Zahl der insgesamt gewährten Auszahlungen hat diese Tendenz nichts zu tun. So betrug die durchschnittliche Anwesenheit 1991 lediglich 5,5 Tage, obwohl in diesem Jahr mit 282 Personen der bisherige Höchststand erreicht wurde. Und 1994 - als mit 1.840 Auszahlungen das diesbezügliche Spitzenergebnis erreicht wurde - lag die durchschnittliche Verweildauer bei 7,2 Tagen, also weit entfernt von den Werten ab 1997.

Insgesamt kann gesagt werden, dass weniger Personen durchschnittlich häufiger nach Miltenberg kommen. Diese Entwicklung des längeren Aufenthaltes ist aus Sicht eines Wohlfahrtsverbandes absolut zu begrüßen. Denn die längere Anwesenheit bringt

- Vertrauen zu den Beschäftigten der Caritas und damit eine erhöhte Bereitschaft, ein Gespräch über eine mögliche Wohnungssuche zu führen.

- Vertrauen, das auch zur Einleitung einer evtl. nötigen Suchttherapie oder anderer Maßnahmen hilfreich ist. - Kenntnisse über hiesige Ärzte und damit eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit, sich einer oft dringend notwendigen Krankenbehandlung zu unterziehen.

- Kontakte zur einheimischen Bevölkerung, was wiederum die Wohnungssuche erleichtern kann. - verantwortlichen Umgang mit der Herberge (zu der ein Bezug aufgebaut wird; so waren es in den letzten Jahren stets länger bei uns verweilende Wohnsitzlose, die von sich aus eine Verschönerung oder Renovierung der Herberge anboten).

Es ist nicht zu übersehen, dass damit auch die Arbeitsanforderungen - zeitlicher wie inhaltlicher Art - bei den Beschäftigten der Caritas steigen. (Dies gilt bei der Auszahlung der Hilfe und bei der Beratung der Wohnsitzlosen; es gilt aber auch z.B. für die Suchtberatungsstelle, die sich auf einen neuen Klientenkreis einstellen musste.) Dennoch halten wir diese Entwicklung uneingeschränkt für positiv. Das Ziel unserer Arbeit kann nicht darin bestehen, die durchreisenden Wohnungslosen zu verwalten; vielmehr ist es unser Anliegen, Auswege aus Krankheit, Wohnungs- und Erwerbslosigkeit aufzuzeigen, wo dies nötig und gewünscht ist. Eine längere Verweildauer ist dabei ein wesentlicher Fortschritt.

Zudem messen wir daran auch unseren Erfolg. Denn: Ein längerer Aufenthalt ist auch ein Zeichen, dass die Betroffenen bei uns etwas erhalten, was sie benötigen. Ob dies eine freundliche Ansprache, Beratung, Hilfsangebote wie Dusche, Waschmaschine, die Unterkunft mit Satelliten-TV (denn es gibt selbstverständlich auch bei Wohnungslosen den Wunsch nach Kultur und Unterhaltung) oder anderes ist, - auf jeden Fall gibt es bei uns ein Angebot für durchreisende Wohnungslose, das gerne angenommen wird, da es ganz offensichtlich die Bedürfnisse der betroffenen Personen trifft. Und nach unserem Selbstverständnis ist dies genau das, was unsere Arbeit ausmachen sollte.


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